Simon´s Ritt zu DM Gold & Silber

Team BULLS

BULLS Profi Simon Stiebjahn darf sich im „Olympischen Cross-Country“ Deutscher Vizemeister und im „Eliminator-Sprint“ sogar Deutscher Meister nennen. Dem sympathischen Schwarzwälder ist damit an einem Wochenende der meisterliche Doppelschlag gelungen. Lest im Interview, was das Erfolgsgeheimnis des Allrounders ist, wie er sich die Medaillen geholt hat, und warum er unbedingt den Hattrick will.

Simon, du fährst das BULLS - Deutsche Meister-Sprinttrikot schon spazieren, wie fühlt es sich an?

Na ja, nicht nur spazieren. Bei Sprints trage ich es auch im Renneinsatz. Und ja, es fühlt sich super an. Es ist schon etwas Besonderes, so ein Trikot anziehen zu dürfen und damit sowohl den Meister in der Disziplin, als auch BULLS präsentieren zu dürfen. Und hey, sieht doch sehr schön und gelungen aus, oder?!

Keine Frage!

Du gehörst zu den wenigen internationalen Spitzenfahrern, die auf drei Distanzen, von Sprint über Cross-Country bis zu Marathon erfolgreich sind. Was ist dein sportliches Geheimnis?

Ich glaube, Geheimnisse gibt es so nicht. Erfolg ist das Resultat aus Geschick, Können und jahrelanger, harter Arbeit und im richtigen Moment auch etwas Glück. Obwohl, vielleicht könnte man das als mein Geheimnis bezeichnen: Vor zwei Jahren hat man bei einem Gentest herausgefunden, dass meine Muskelstruktur aus quasi 50% ST (slow twitch) und 50% FT (fast twitch) Muskelfasern besteht. Das heißt, ich habe eine sportliche 50/50 Veranlagung für Ausdauer und Schnelligkeit. So kann ich von Mutter Natur aus quasi beides gleich gut und bin somit auf kurzen wie auch langen Distanzen stark.

Du bist also ein breit gestreutes Talent. Wie richtest du dein Training aus?

Das Team BULLS ist ein Marathonteam mit dem Fokus auf die Langdistanz und Etappenrennen. Hier will ich stark sein und lege deshalb auch meinen Trainingsfokus auf die Marathondistanz. Was allerdings nicht heißen soll, dass ich weniger intensiv trainiere. Zu meinem Training zählen ebenso hochintensive Intervalle, wie auch kurze harte Rennradrennen.

Zum Sprint-Rennen: Du hast im Vorfeld bereits ein Bundesliga-Rennen im Cross-Country gewonnen, beim Eliminator-Sprint hat man dich nicht gesehen. War der DM-Titel im Sprint so etwas wie ein sportlicher Ausrutscher?

2014 habe ich mit dem Gewinn des Deutschen Meister-Titels im Eliminator-Sprint bereits gezeigt, dass ich in dem Format sehr gut bin. Aber ja, mein Fokus lag an dem DM-Wochenende eher auf dem Cross Country-Rennen als auf dem Sprint. Daher war ich positiv überrascht, dass es so gut gelaufen ist.

Beim Sprint ging es heiß her, der Finaleinzug kam erst über den Fotobeweis.

Das stimmt. Für uns Fahrer war klar, dass ich als erster über den Zielstrich gefahren bin. Die Kommissäre hatten das aber anders gesehen. So kam es, dass erst der Fotobeweis gezeigt hat, dass ich hauchdünn vorne lag. So kam es, dass wir Protest einlegen mussten und erst der Fotobeweis gezeigt hat, dass ich hauchdünn vorne lag. Bis dahin kam ich noch einmal kurz ins Schwitzen. Aber da sieht man mal, wie eng es zugeht und dass auch Glück dazu gehört.

Bevor wir zu deinem Finale kommen, erkläre uns doch mal kurz, wie so ein Eliminator-Sprint genau funktioniert

Das Format „Eliminator-Sprint“ heißt deshalb so, weil immer vier Fahrer gegeneinander starten und nur zwei Fahrer weiterkommen. Die letzten zwei werden quasi „eliminiert“.

Begonnen wird allerdings mit einem Einzelzeitfahren über eine Runde. Die Runde beim Sprint ist ca. 500 Meter lang und es sind teils Hindernisse und Geländepassagen eingebaut. In Bad Salzdetfurth, wo die DM stattfand, war es eher ein verwinkelter Stadtkurs mit Hindernissen.

Nach dem Zeitfahren qualifizieren sich 32 Fahrer für die Finals. Danach gibt es noch vier Läufe bis zum Finale. Bei den Läufen werden dann allerdings zwei Runden gefahren, was einem Kilometer und ca. 2,5 Minuten Rennzeit entspricht.

Klingt kurz, hart und schnell.

Ja, das ist es auch! Das Einzelzeitfahren plus die vier Läufe ziehen sich allerdings auf eine Gesamtzeit von ca. 2,5 Stunden hin. Das heißt, immer wieder sportlich warmfahren, explosiv sprinten und dann wieder ausfahren. Im Gesamten schlaucht das Prozedere ganz schön und man wird von Lauf zu Lauf müder.

Das heißt, es ist auch Stehvermögen gefragt?

Genau! Und ich glaube, darin liegt meine Stärke als Allrounder. Wie gesagt, in den Vorläufen habe ich mich nicht mit Ruhm bekleckert. Doch konnte ich mich mit einer konstanten Leistung immer weiter qualifizieren.

Und dann kam es zum Finale mit zwei BULLEN

Ja, Niklas Schehl, einer unserer Nachwuchsfahrer aus dem Cross-Country Bereich hat sich ebenfalls für´s Finale qualifiziert und ist auch bis zum Schluss ein super Sprint-Rennen gefahren. Leider hatte er im Finale etwas Pech und wurde von einem Konkurrenten abgedrängt, sonst wäre sicher mehr drin gewesen als Platz vier.

Wie verlief dein Finallauf?

Ich bin zunächst verhalten gestartet und hab mich auf Position vier eingereiht. Ich wollte mich aus dem Gröbsten raushalten, um dann gezielt eine Attacke zu setzen. Während des Finallaufs habe ich schon gemerkt, dass die Kräfte der Gegner nachlassen. Daher war die Taktik richtig, mich aus den kräftezehrenden Zweikämpfen rauszuhalten. Als es dann auf die Zielgerade ging, konnte ich mich komfortabel an den Vordermann ransaugen und mit voller Kraft zum DM-Titel sprinten.

Glückwunsch, das klingt nach einer Meisterleistung!

Ja, es hat mich unheimlich gefreut, dass meine Taktik aufgegangen ist. Beim Sprint gehört auch immer etwas Glück und Geschick dazu. Es muss nicht immer der Stärkste gewinnen, auch wenn er es am Ende tut.;)

Zwei Tage später gab es die zweite Medaille: Silber bei der Deutschen Meisterschaft im Cross-Country. Ging auch dort deine Taktik auf?

Eigentlich nicht, aber mit dem Ergebnis bin ich hochzufrieden. Mehr war nicht drin! Ich hatte mir vorgenommen, solange wie möglich am Hinterrad von Manuel Fumic (Cannondale) zu bleiben. Doch Manni hat vom Start weg so ein hohes Tempo angeschlagen, dass ich nicht mitgehen konnte.  Ich habe mich dann in eine 4-Mann starke Verfolgergruppe eingereiht. Was sich rückblickend als gut rausgestellt hat. So habe ich nicht gleich überzogen und konnte meinen Rhythmus fahren.

Damit hat sich das Spiel vom Sprint wiederholt und du hast das Feld von hinten aufgerollt?

Im Prinzip ja. Auf dem sehr matschigen Kurs war es wichtig, Fehler zu minimieren. Das ist mir gelungen und ich konnte immer wieder von Fahrfehlern der Gegner profitieren. Die mussten sich nach kleineren Stürzen wieder ran kämpfen. Irgendwann war es dann ein Fehler zu viel und ich hab durchgezogen.  Mit einer kleinen Lücke bin ich dann in die letzte Runde gegangen und konnte in einem harten Finish meine erste Cross-Country Medaille einfahren.

Ein gelungenes Meisterschaftswochenende mit einem Titel und einer Silbermedaille. Was steht als nächstes an? Was sind die weiteren sportlichen Ziele für diese Saison?

Ich will den Hattrick! Mein großes Ziel ist es, bei der Deutschen Meisterschaft im Marathon ebenfalls eine Medaille zu holen. Damit wäre ich der erste deutsche Mountainbiker, der in einer Saison in allen drei Disziplinen eine Medaille einfährt.

Simon vielen Dank für den persönlichen Einblick in dein Meisterschaftswochenende. Für die weitere Saison alles Gute und viel Erfolg für den Hattrick!

Erfahrt mehr über Simon in seiner lesenswerten Homestory, hier im: BULLS MAGAZIN.