Der Team Mann – Friedemann Schmude

Team BULLS

Wenn einer die Erfolgsformel des Team BULLS kennt, dann Friedemann Schmude. Seit Bestehen des Teams 2007, ist er als Team Manager für das Mountainbike Profi Team verantwortlich. Seither feierte das Team BULLS viele Erfolge, darunter vier Cape Epic Siege, fünf Deutsche, zwei Schweizer und drei französische Meistertitel, zwei Bronze Medaillen bei einer EM und zig Klassiker Siege. Aber jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten und so liegt es auch an ihm, das Team nach einem so schweren Jahr wie 2016 wieder auf Erfolgsspur zu bringen.

In einem kurzen Interview wollen wir mehr über Friedemann als Team Manager erfahren, einen kleinen Rückblick auf 2017 wagen und erfragen was für die neue Saison alles geplant ist.

Kurz zu Friedemann Schmude, Manager Team BULLS:

Gemeinsam mit Team Kapitän Karl Platt ist Friedemann Schmude, geb. 1980, in seiner aktiven Zeit als Bike Profi Rennen gefahren. Die beiden haben oft gemeinsam das Zimmer geteilt, in der Pfalz zusammen trainiert und am Wochenende sind sie gemeinsam zu Rennen gefahren. Als dann für 2007 das Team geplant wurde und Friedemann nach seinem Sportstudium auch seine Karriere als Bike Profi beendete, bot sich die Chance an, gemeinsam mit Karl Platt und Stefan Sahm als Fahrer das Team BULLS aufzubauen. Seither ist er festangestellter Team Manager bei BULLS und deckt ein breites Aufgabenfeld ab, angefangen von der Organisation der Team Bikes, Hotelübernachtungen, Reisebuchungen bis hin zur Rennverpflegung. Durch seine Taktikbesprechungen und die Aufgabe des Motivators ist Friedemann tief drinnen im Teamgeschehen. Liebevoll von seinen „Jungs“ als „Team Papa“ bezeichnet, kümmert er sich um weit mehr Dinge im Team, als in der Stellenbeschreibung eines Team Managers stehen.

Friedemann, du kennst beide Seiten der Rennstrecke. Welche gefällt dir besser?

So ganz Pauschal kann ich das gar nicht beantworten, denn beide Seiten haben viele sehr unterschiedliche Aspekte. Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich glücklich bin, mit dem was ich tue und mir keinen besseren Job vorstellen könnte.

Du bist nun seit elf Jahren Team Manager bei BULLS. Gab es einen Schlüsselmoment, bei dem du gesagt hast: Das ist mein Traumberuf!?

Einen echten Schlüsselmoment gab es nicht. Aber wenn Du mich vor gut 20 Jahre gefragt hättest, was ich denn später mal machen wolle, dann hätte ich Dir eine recht präzise Beschreibung dessen gegeben, was ich jetzt als Team Manager bei BULLS tue. Ich wollte Sportwissenschaft studieren und danach mit Sportlern arbeiten, am besten mit Radsportlern und natürlich am liebsten mit Mountainbikern. Teamchef eines international erfolgreichen Profi-Teams zu sein - das war für mich damals mit 16, 17 Jahren tatsächlich schon ein Traumberuf.

Das Team Bulls ist von den Typen her ein bisschen aufgebaut wie eine „Boygroup“, mit vielen verschiedene Charakteren. Da gibt es bestimmt auch hin und wieder Reibereien, wie hältst du die Jungs zusammen?

Wir haben tatsächliche ein paar sehr unterschiedliche Charaktere in der Mannschaft. Dennoch geht es zumeist sehr harmonisch zu bei uns und durch die Unterschiede ergänzen sich die Jungs prächtig. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ war schon früh ein Motto des Teams. Das sagt, denke ich, schon sehr viel aus. In der Rennszene genießen wir den Ruf einen sehr guten Teamspirit und immer gut Stimmung zu haben. Aber klar, es gibt auch immer mal wieder Reibereien. Wir verbringen während der Saison phasenweise mehr Zeit mit dem Team als mit unseren Familien und das, zumindest an den Renntagen, oftmals unter recht stressigen oder emotionalen Umständen. Da bleiben Spannungen nicht aus. Das wichtigste ist dann Feingefühl für die Situation, die Dinge offen anzusprechen, sich Zeit für den Einzelnen zu nehmen oder auch mal nur zuzuhören.

Nach dem Cape Epic Gewinn 2016 waren die Erwartungen hoch und viele haben auf eine Wiederholung gewettet. Es kam ganz anders und die Saison 2017 war sportlich auch eher durchwachsen. Kann man den Misserfolg an etwas festmachen und wie reißt ihr das Ruder für 2018 wieder rum?

Dieser Sieg beim Cape Epic 2016 war schon spektakulär, noch dazu, weil er im Premierenjahr des Projekt Zebras gelang. Für 2017 wollten wir dann alles noch besser machen, mit bekanntem Ergebnis. Einen Kardinalfehler kann ich bis heute nicht finden, es war vermutlich vielmehr das Zusammenspiel vieler kleiner Faktoren. Wir haben in der Vorbereitung an ein paar kleinen Schrauben gedreht und jede Maßnahme für sich war sicherlich richtig, insgesamt ist das Konzept aber nicht aufgegangen. Wir haben bereits am Abend nach der letzten Etappe mit der Analyse begonnen und auch in den Wochen danach immer wieder die Köpfe zusammengesteckt, um herauszufinden was schiefgelaufen ist. Dennoch bleibt vieles spekulativ, der menschliche Körper ist eben keine Maschine und manchmal gibt es Jahre, da läuft es einfach nicht. Wir sind in den letzten Jahren oftmals im Wochenrythmus von Sieg zu Sieg gefahren. Dass das nicht ewig so gehen kann war fast klar. Außerdem – es stimmt, die Saison war insgesamt zwar eher durchwachsen, aber wenn man genauer hinschaut stellt man fest, dass z.B. Simon Stiebjahn eine überragende Saison gefahren ist und von Mai bis Oktober konstant absolute Spitzenleistungen gebracht hat. Und damit sind wir auch beim zweiten Teil der Frage. Simon ist ein „Eigengewächs“ und hat unser komplettes Nachwuchsprogramm durchlaufen. Er ist quasi die Speerspitze der zweiten Generation des Team BULLS, mit der wir in den kommenden Jahren noch viel Freude haben werden.

Der Team Kapitän Karl Platt geht nun langsam auf die 40 zu, auch Tim Böhme fährt mit 36 Jahren 2018 seine letzte Saison. Damit fallen wohl zwei Leistungsträger weg, wie plant das Team weiter?

Zum einen haben wir mit Urs Huber einen extrem starken Fahrer in der Mannschaft, der mit seinen 32 Jahren gerade erst ins beste Alter für absolute Spitzenleistungen kommt. Außerdem gibt es die eben angesprochene zweite Generation des Team BULLS, ein Resultat unserer eigenen langjährigen und kontinuierlichen Nachwuchsarbeit. Neben Simon Stiebjahn stehen dort zum Beispiel Martin Frey oder auch Niklas Schehl in den Startlöchern. Außerdem haben wir mit Simon Schneller gerade erst den Gesamtsieger der U23-Bundesliga verpflichtet. Er stößt vom Bike Junior Team powered by BULLS zu uns, einem etablierten Nachwuchsteam, dass wir bereits seit 2016 unterstützen.

Wann geht´s los mit 2018, wann stehen die ersten Wettkämpfe auf dem Plan?

Der ein oder andere wird wahrscheinlich bereits im Januar beim Attakwas in Oudtshoorn / Südafrika das erste „Warm up-Rennen“ bestreiten. Die unmittelbare Vorbereitung auf das Cape Epic findet dann wie gewohnt im Februar beim Tankwa Trek statt. Die Details dazu werden wir in den kommenden Wochen ausarbeiten. Davor absolvieren die Jungs aber schon etliche tausend Kilometern im Sattel, teils zu Hause, teils in Trainingslagern.

Wie sind deine Erwartungen an die neue Saison? Sind die Jungs fit?

Meine Erwartungen an die neue Saison? Ein Sieg nach dem anderen und nebenbei die Weltherrschaft. Nein, im Ernst. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir primär das Cape Epic vor Augen. Da haben wir von diesem Jahr ja noch eine Scharte auszuwetzen. Aber die Saison ist danach ja nicht zu Ende, dann geht es eigentlich erst los. Die Marathon-Europameisterschaft im April in Spilimbergo kommt wahrscheinlich etwas zu früh, bzw. zu knapp nach dem Cape Epic, um dort in Topform am Start zu stehen. Dafür liegt die Weltmeisterschaft im September sehr gut und dürfte vom Profil her sowohl Karl als auch Urs sehr gut liegen. Insgesamt wünsche ich mir, dass jeder unserer Fahrer das Beste aus seinen Möglichkeiten macht und wir gemeinsam eine erfolgreiche Saison bestreiten. Meine insgesamt zwölfte Saison mit dem Team BULLS. Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt.

Friedemann, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die kommende Saison.