Wenn nahezu jede Scheibenbremse inzwischen mit einem Post-Mount-kompatiblen Bremssattel gefertigt wird und außerdem jede hochwertige Federgabel, erscheint es nur logisch, auch den Hinterbau mit Post-Mount-Sockeln auszustatten. Dennoch haben sich die BULLS-Entwickler bewusst dagegen entschieden. Das sind die Gründe:

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Im Gegensatz zur gegossenen Tauchrohreinheit einer Gabel entsteht der Hinterbau eines Fahrrads durch Verschweißen oder Laminieren von Einzelteilen. Dabei sind kleinste Ungenauigkeiten hinsichtlich der perfekten Ausrichtung der Bremssockel nicht ausgeschlossen. Eine perfekte Ausrichtung des Bremssattels zur Bremsscheibe ist aber unabdingbar, wenn die Bremse dauerhaft schleiffrei und geräuscharm funktionieren soll. Bei der Verwendung von Bremssockeln nach IS2000-Standard kann man die Sockel einfach mit einem geeigneten Werkzeug nachfräsen. Beim Postmount-Standard hingegen verändert sich beim Nachfräsen die radiale Position des Bremssattels zur Bremsscheibe, und passende Werkzeuge sind noch in der Entwicklungsphase. Was auch daran liegt, dass diese viel komplexer sind. Und selbst wenn ein solches Werkzeug dann verfügbar sein sollte, so kann man damit zwar die Auflagefläche des Sockels senkrecht zur Bremsscheibenebene fräsen, doch die Ausrichtung der Gewindeachse wird dadurch nicht verändert. Je nachdem, wie „schief“ der Sockel vor dem Fräsen stand, wird sich der Bremssattel beim Anziehen der Schrauben also in eine „Zwischenposition“ begeben. Er wird nicht vollflächig auf dem Bremssockel aufliegen aber auch nicht richtig unter dem Kopf der Schraube. Was insbesondere für die Schraube gefährlich sein kann und eine potentielle Geräuschquelle schafft.
Es liegt also in der alleinigen Verantwortung der Rahmenherstellers am Ende des Fertigungsprozesses sicherzustellen, dass die Bremssockel perfekt ausgerichtet sind. Als erfahrene Praktiker haben wir erhebliche Zweifel, dass dies gelingen wird.

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Wenn sich die Verwendung von Post-Mount-Sockeln im Vergleich zur Verwendung von IS-2000-Sockeln mit einem Post-Mount-Bremssattel und einem entsprechenden Adapter überhaupt in einem geringeren Gewicht niederschlagen soll — das maximale Einsparpotential liegt bei 20 Gramm —, dann müssen die Post-Mount-Sockel filigran ausgeführt werden. Übertreibt dann jemand das Anzugsmoment der stählernen Bremssattelbefestigungsschraube, so beschädigt er den Rahmen irreparabel. Denn das Aluminium-Gewinde im Post-Mount-Sockel kann mangels Wandstärke nicht mit einem Helicoil-Einsatz repariert werden. Führt man die Post-Mount-Sockel hingegen dicker aus, so reduziert sich der ohnehin geringe Gewichtsvorteil.

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Von den Befürwortern wird außerdem noch angeführt, dass Post-Mount-Sockel die Wärme besser vom Bremssattel in den Hinterbau ableiten und damit die Standfestigkeit der Bremse erhöhen. Dies mag bei entsprechend großzügiger Dimensionierung der Post-Mount-Sockel zwar zutreffen, doch erstens ist dann der angestrebte Gewichtsunterschied nicht mehr existent. Außerdem ist es insbesondere bei Carbonrahmen gar nicht wünschenswert die Verbindung der verklebten oder einlaminierten Post-Mount-Sockel zum Rahmen durch allzu viel Wärme zu belasten. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Scheibenbremse bei einer Bremssatteltemperatur von weit jenseits der 200 Grad Probleme bekommt, weil dann die DOT-Bremsflüssigkeit anfängt zu sieden, wissen wir, dass wir den Wärmetransfer von der Bremse in den Hinterbau eher verhindern als fördern müssen. Denn Temperaturen in dieser Größenordnung sollte man dem Epoxid-Harz in der Carbonstruktur nicht dauerhaft zumuten. Zumal Carbonrohre auch keine guten Wärmeleiter sind und sich damit eine starke Wärmekonzentration in der Nähe der Bremssockel einstellt. Doch dieses Argument gilt nicht nur für Carbonrahmen, sondern auch jeden lackierten Aluminiumrahmen, dessen Lack bei diesen Temperaturen im Bereich der Bremsaufnahme stark altert bzw. beschädigt wird. Dieses Argument wird beim Carbonrahmen erst dann entkräftet, wenn man die Aluminium-Ausfallenden so groß macht, dass die Wärme von diesen bereits so stark an den Fahrtwind abgegeben werden kann, dass die Verbindungen der Ausfallenden zu den Carbonrohren keinen hohen Temperaturen mehr ausgesetzt ist. Durch diese Maßnahme würde jedoch wiederum das Rahmengewicht erhöht.

Abschließend lässt sich also feststellen, dass man durch die Verwendung von Post-Mount-Sockeln im Vergleich zu IS-2000-Sockeln und einem Adapter allenfalls einen vernachlässigbaren Gewichtsvorteil erzielen kann, für welchen man aber mit erheblichen Nachteilen bezahlt.